Holocaust-Überlebender Manfred Goldberg in London verstorben
1945 in Neustadt in Holstein befreit – 2025 Neustadt erstmal wieder besucht – Biografie wird im Dokumentationszentrum dargestellt
Der Holocaust-Überlebende Manfred Goldberg ist am 6. November 2025 im Alter von 95 Jahren in London gestorben.
Im Mai dieses Jahres war Goldberg 80 Jahre nach seiner Befreiung durch die britische Armee in Neustadt in Holstein erstmals dorthin zurückgekehrt. Nach einem Empfang im Rathaus und dem Besuch des Cap-Arcona-Ehrenfriedhofs sowie des jüdischen Friedhofs hatte er in einer großen Veranstaltung Schülerinnen und Schülern von seinem bewegenden Schicksal berichtet.
Als 15-jähriger war Goldberg zusammen mit seiner Mutter und hunderten weiteren Häftlingen des Konzentrationslagers Stutthof (bei Danzig) auf einem Lastkahn über die Ostsee nach Neustadt in Holstein deportiert worden. Deutsche Marine- und SS-Soldaten trieben die Überlebenden dieser Todesfahrt am Strand und am Neustädter Hafen entlang bis zur Marinekaserne auf dem Wieksberg – allein bei diesem Todesmarsch wurden mehrere Hundert Menschen erschossen. Schließlich befreite die britische Armee die Überlebenden am 3. Mai 1945.
Damit endete für Goldberg ein jahrelanger Weg der nationalsozialistischen Verfolgung und Ausbeutung in Arbeits- und Konzentrationslagern, der 1941 mit der Deportation der Familie von Kassel nach Riga begonnen hatte. 1946 zog Goldberg nach Großbritannien, wo er 1961 heiratete und eine Familie gründete.
Seit inzwischen mehr als zwei Jahrzehnten hielt er Vorträge für den britischen Holocaust Educational Trust und erzählte seine Geschichte britischen Schulklassen. Für sein Engagement erhielt er mehrere hohe Auszeichnungen, so verlieh ihm König Charles III. noch kurz vor seinem Tod die British Empire Medal.
„Wir sind traurig, dass Manfred Goldberg gestorben ist. Es war uns eine große Ehre, dass Goldberg noch im Mai Neustadt in Holstein besucht hat, und wir werden ihn nicht vergessen“, sagt Bürgermeister Mirko Spieckermann.
Beim Besuch in Neustadt in Holstein wurde Goldberg gefilmt und durch die aus Neustadt in Holstein stammende Journalistin Christina Mänz interviewt. Seine Biografie wird ihren Platz in der Dauerausstellung des neuen Cap-Arcona-Dokumentationszentrums finden, welches 2028 eröffnet werden soll.
Erstellt von: Beate Weidemann
Quelle: Mirco Blaschke, Stefan Nies