Arne Rautenberg erhält den »Kay-Hoff-Literaturpreis der Stadt Neustadt in Holstein«
Der mit 10.000 Euro dotierte Kay-Hoff-Literaturpreis wird alle drei Jahre von der Stadt Neustadt in Holstein für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Sprache und Literatur in Schleswig-Holstein vergeben.
In diesem Jahr erfolgt die Verleihung am 18. September 2025 um 18:00 Uhr in der Aula des Küstengymnasiums Neustadt in Holstein, Butzhorn 85 an Arne Rautenberg. Die Laudatio auf den Preisträger übernimmt Dr. Christian Demandt, Theodor-Storm-Zentrum, Husum. Die Veranstaltung ist öffentlich, eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
Der Literaturpreis wurde vom Schriftsteller Kay Hoff gestiftet, der 1924 in Neustadt in Holstein geboren wurde und seine Zeit ein halbes Jahrhundert lang in Gedichten, Romanen, Erzählungen und Hörfunkarbeiten reflektierte. Er starb 2018 in Berlin.
Die Jury, bestehend aus der Lyrikerin Doris Runge (Cismar) und den Literaturwissenschaftlern Tobias Buchwald (Bremen) und Prof. Dr. Ralf-Henning Steinmetz (Universität Kiel), begründet ihre Entscheidung wie folgt:
Begründung der Jury
Arne Rautenberg gehört zu den eigenständigsten Stimmen der zeitgenössischen Lyrik. Seine Gedichte zeichnen sich durch eine bemerkenswerte sprachliche Experimentierfreude aus, die Erwartungen an Poesie immer wieder unterläuft und neu definiert. Mit Neologismen, spielerischen Klangfeldern und überraschenden Wortverbindungen gelingt es ihm, Alltägliches in poetische Imaginationen zu verwandeln.
Besonders auffällig ist der bewusste Verzicht auf Großschreibung und Interpunktion, wodurch Rautenberg eine Gleichwertigkeit aller Wörter und eine ganz eigene, rhythmisch dichte Textur schafft. Seine Lyrik bewegt sich virtuos zwischen
- Komik und Tiefe,
- Nonsens und Reflexion,
- Popkultur und literarischer Tradition.
Dabei entstehen Gedichte, die durch ihre formale Innovation ebenso bestechen wie durch ihre inhaltliche Vielschichtigkeit.
Prägende Heimat
Eine besondere Rolle spielt in Rautenbergs Werk seine schleswig-holsteinische Heimat. Die Küstenlandschaft, das Meer und die Atmosphäre des Nordens sind nicht bloß Kulisse, sondern werden zu poetischen Resonanzräumen, in denen Natur und Sprache miteinander in Dialog treten. Kiel und die Ostseeküste erscheinen in seinen Texten als lebendige Akteure, die das Erleben und die Wahrnehmung der Welt prägen.
Maritime Motive und topografische Prägungen durchziehen sein Werk und verleihen ihm eine unverwechselbare regionale Authentizität, die jedoch nie ins Provinzielle abgleitet, sondern universelle Dimensionen eröffnet.
Künstlerische Vielfältigkeit
Rautenbergs künstlerisches Schaffen ist zudem von einer bemerkenswerten Vielstimmigkeit geprägt. Neben der Lyrik für Erwachsene, die durch formale Kühnheit und inhaltliche Offenheit besticht, hat er auch die Kinderlyrik mit neuen Impulsen bereichert.
Seine intermedialen Projekte, in denen er Bildkunst, Collage und visuelle Poesie mit dem geschriebenen Wort verbindet, erweitern die Möglichkeiten der Lyrik und schaffen faszinierende Dialoge zwischen Text und Bild. Durch seine programmatische Offenheit gelingt es ihm,
- Tradition und Avantgarde,
- Regionalität und Internationalität,
- Ernst und Humor
in immer neuen Konstellationen miteinander zu verweben.
Prägung der literarischen Landschaft Schleswig-Holsteins
Mit der Verleihung des Kay-Hoff-Preises 2025 an Arne Rautenberg würdigt die Stadt Neustadt in Holstein einen Dichter, der die literarische Landschaft Schleswig-Holsteins und weit darüber hinaus durch seine
- Innovationskraft,
- sprachliche Virtuosität und
- tiefe Verbundenheit mit der norddeutschen Heimat
nachhaltig geprägt hat. Rautenbergs Werk steht für eine Poesie, die Grenzen überschreitet, neue Wege sucht und dabei der Sprache und ihrer schöpferischen Kraft vertraut.
Erstellt von: Beate Weidemann
Quelle: Mirco Blaschke