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Fassade des Kremper Tores
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Museum Cap Arcona

Das zum 45. Jahrestag der Ereignisse 1990 fertig gestellte Museum befindet sich in einem östlichen Anbau an das historische Kremper Tor, besteht aus zwei Räumen und ist normalerweise über den Haupteingang des städtischen Museums zu erreichen.

Das Museum Cap Arcona

Ausstellung

Neben raren Originalteilen aus dem Schiffswrack werden in zwei Schauvitrinen Häftlingsbekleidung und Essgeschirr gezeigt.

Thematische Karten und ausgewählte Fotos mit erklärenden Kurztexten vermitteln den Besuchern darüber hinaus einen Einblick in die Gesamtzusammenhänge der Katastrophe und in die Situation der Stadt gegen Kriegsende.

Hinweise auf Gedenkstätten und Ehrenfriedhöfe mit Grablagen der Opfer runden die Informationsfülle ab.

Seminare

Zusätzlich kann ein Raum als Seminarraum „Geschichtswerkstatt“ mit der entsprechenden Medienausstattung eingerichtet werden.

Öffnungszeiten & Eintritt

Das Museum ist ganzjährig für Gruppen und Einzelpersonen nach Vereinbarung entsprechend der nebenstehenden Öffnungszeiten zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Die Cap Arcona-Katastrophe

Die Vorgeschichte

Ab dem 20. April 1945 schaffte die SS-Lagerführung vom KZ Neuengamme mehr als 9.000 Häftlinge zu Fuß und in Güterwaggons nach Lübeck zu den Getreidesilos im Vorwerker Industriehafen. Dort beschlagnahmte sie Zubringerschiffe, die die Gefangenen unter grauenhaften Bedingungen zu der in der Lübecker Bucht ankernden fahruntüchtigen und nicht mit Proviant ausgestatteten Cap Arcona bringen sollten, einem Passagierschiff, das von der Kriegsmarine an den Reichskommissar für Seeschifffahrt abgegeben wurde.

Keines der Schiffe war aufgrund der Tatsache, dass es aus Sicht der Alliierten potentielle Truppentransporter waren, vor deren Luftangriffen sicher. Der Widerstand des Kapitäns und anderer Schiffsführer gegen das Vorhaben, hier ein schwimmendes KZ zu installieren, wurde je nach Situation durch Gewaltandrohung, falschen Versprechungen und Täuschung des in Lübeck tätigen Schwedischen Roten Kreuzes gebrochen. Immerhin erreichte der Kapitän der Cap Arcona durch geschicktes Taktieren, die Anzahl der an Bord befindlichen KZ-Häftlinge und Besatzungsmitglieder relativ gering zu halten. Nicht verhindern konnte er, dass die SS und andere Dienststellen der Kriegsmarine nichts dazu beitrugen, um eine Mindestversorgung der KZ-Gefangenen zu gewährleisten. Im Gegenteil – die Quälereien nahmen zu und das Schiff wurde „ausbruchssicher“ gemacht, indem die Rettungsmittel blockiert beziehungsweise an Land gebracht wurden. Um einen schnellen Untergang des Schiffes bei „Feindannäherung“ mitsamt seiner menschlichen Fracht sicherzustellen, wurden die automatischen Schotten und die Feuerlöscheinrichtungen unbrauchbar gemacht. Die Häftlinge blieben unter Deck überwiegend in den Stauräumen eingeschlossen. Eine geringe Befüllung der vorher gänzlich leeren Treibstoffbunker mit Betriebsstoff bildete die brisante Hauptladung für eine schnelle Selbstversenkung durch eine vorbereitete Restgasexplosion.

Der Angriff

Eine Verknüpfung von tragischen Umständen führte aber letztendlich dazu, dass die von deutscher Seite vorbereitete hinterhältige Falle nicht entdeckt wurde. Die Stimmung unter den Häftlingen schwankte zwischen Hoffnung auf Befreiung und Untergang. So wurden Anfang Mai 1945 zwar keine alliierten Angriffe auf Hafenbereiche in diesem Raum geflogen, um eine Gefährdung von "Displaced Persons" (Verschleppte Personen)  und Mitarbeitern des Roten Kreuzes zu vermeiden, doch erreichte eine konkrete Information des Schweizer Roten Kreuzes über die Gefährdung der Häftlinge auf der Cap Arcona die Piloten nicht, da sie bereits am 2. Mai 1945 bei der zuständigen Stelle der Royal Air Force hängen geblieben war. Eigene alliierte Bemühungen zur Klärung der Sachlage scheiterten aufgrund deutscher Gegenaktionen.

So griff am 3. Mai 1945 im Zuge eines letzten massiven Schlages gegen die deutschen Schiffe und weiterer militärischer Ziele die Staffel 198 die nicht gekennzeichneten KZ-Schiffe Cap Arcona und Thielbek an, obgleich die mitgeführten Raketenbomben nicht für ein Seeziel dieser Tonnage geeignet waren und bei weitem nicht alle Abschüsse im Zielgebiet lagen. Das führte später zu einer technischen Begutachtung des Wracks durch britische Spezialisten. Sie stellten fest, dass die Cap Arcona in einer Schiffssektion explodierte, der zumindest keinerlei Treffer aufwies.

Der Schaden in diesem Bereich führte letztendlich zum Inferno und Kentern des Schiffes. Das Handelsschiff Thielbek kenterte innerhalb kurzer Zeit, da sich der Schwerpunkt des Schiffes durch die an Bord in Panik geratenen Menschen dramatisch verlagerte und zusätzliche Lasten an Deck verrutschten. Während die Thielbek später gehoben und nach kurzer Reparatur wieder in Dienst gestellt werden konnte, hatte die Cap Arcona bedingt durch den bei der Explosion verformten Schiffskörper nur noch Schrottwert. Über 7.000 Menschen ließen ihr Leben. Nur wenige hundert konnten sich aufgrund von Zufällen retten.

Weitere Fakten

Eine Rettungsaktion kam aufgrund der alliierten Lagebeurteilung über weiteren deutschen Widerstand und örtlichem Befehlswirrwarr während der Besetzung der Neustädter Marinebasis nicht zustande.

Wenige Stunden zuvor hatte noch ein Kommando der SS und weiterer bewaffneter Kräfte mehr als 200 Häftlinge aus dem KZ Stutthof am Strand von Neustadt in Holstein erschossen, deren Schleppkähne nachts vom Ankerplatz der KZ-Flotte ans Ufer getrieben waren.

Die Hauptverantwortlichkeit für eine der schwersten Schiffskatastrophen der Geschichte liegt allem Anschein nach auf deutscher Seite, die den Alliierten eine hinterhältige Falle gestellt hatte. Andererseits unterliefen den britischen Dienststellen schwerwiegende Fehler bei der Weiterleitung von Informationen des Schweizer Roten Kreuzes über die Existenz und die Gefährdung der Häftlinge auf der KZ-Häftlings-Flotte. So konnte der Tatbeitrag einzelner Personen bis heute nie vor Gericht abschließend geklärt werden.

Weiterführende Informationen

Literaturauswahl

  • Hans-Arnoldsson, Natt och dimma, Stockholm 1945 
  • Rudi Goguel, „Cap Arcona“ – Report über den Untergang der Häftlingsflotte in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945, Frankfurt/Main, 1972
  • Katharina Hertz-Eichenrode (Herausgeberin), Ein KZ wird geräumt, Bremen 2000
  • Paul Kemp, Fried of Foe, London 1995
  • Wilhelm Lange, Cap Arcona, Eutin 1992
  • Wilhelm Lange, Mythos und Wirklichkeit – Eine publikumswirksame Präsentation der Cap Arcona-Katastrophe vom 3. Mai 1945, Schiff und Zeit/Panorama maritim, Hamburg, 2000
  • Roy Nesbit, Failed to Return: Mysteries of the air 1939 – 1945, Wellingborough 1989
  • Dachauer Hefte 1, Die Befreiung, München 1985
  • Günter Klaucke / Karl Hermann, Dokumentarfilm „Der Fall Cap Arcona“, Berlin 1995
  • BBC, VE-Day Neustadt, Germany, London 1985/95
  • Claes-Göran Wetterholm, Dödens Hav, Stockholm 2002

Jährlich wiederkehrende Gedenkveranstaltungen

  • 27. Januar: Cap Arcona-Gedenken in Grevesmühlen auf dem Tannenberg.
  • 3. Mai: Cap Arcona-Gedenken in Neustadt in Holstein am Stutthof-Weg
  • 3. Mai: Veranstaltung in der Kulturwerkstatt FORUM Neustadt in Holstein
  • 2. Sonntag im Sepember: Cap Arcona-Gedenklauf auf der Insel Poel

Friedhöfe mit Opfern des 3. Mai 1945 in Neustadt

  • Ehrenfriedhof Cap Arcona am Stutthof-Weg: Zentrale Gedenkstätte mit Gedenkstein und Grablagen für 621 Opfer der Katastrophe am Strand von Neustadt in Holstein mit Blick auf die Untergangsstellen von Cap Arcona und Thielbek.
  • Friedhof am Parkweg: Dieser Friedhof liegt in räumlicher Nähe zum damaligen Lazarett (heute AMEOS-Klinikum) mit über 100 Opfern des Krieges und der Gewaltherrschaft. Ein Gedenkstein und bodengleich eingelassene Grabplatten weisen in der parkähnlich gestalteten Anlage auf die Katastrophe hin.
  • Evangelischer Nord- und Südfriedhof: An der Kirchhofsallee mit 322 Grablagen, Holzbalkenkreuz, Namenstafeln und ähnlichem für Soldaten, Schiffsbesatzung und Displaced Persons (Verschleppte Personen).
  • Jüdischer Friedhof am Grasweg: Abgeschlossene Anlage mit zentralem Gedenkstein für 100 Bestattete und weitgehenden einheitlichen Grabsteinen.
  • Ehemalige Ankerplätze von Cap Arcona und Thielbek in der Lübecker Bucht: Bis heute lassen sich hier zahlreiche Gebeine der Opfer in rund 18 Metern Wassertiefe nachweisen.

Cap Arcona-Friedhöfe entlang der Neustädter Bucht

  • Grube: Zwei separate Grabanlagen mit Gedenksteinen für Besatzungsmitglieder und KZ-Opfer auf dem Friedhof an der Hauptstraße der Ortschaft.
  • Grömitz: Grabstätte mit Gedenkstein für 91 Opfer auf dem Friedhof hinter der Kirche.
  • Gronenberg-Neukoppel: Größte einzelne Cap Arcona-Friedhofsanlage mit Gedenktafel und hohem Balkenkreuz aus Holz für 1128 Opfer mit ursprünglich weitem Blickfeld über die gesamte Bucht. Die in Dreiecksform gestaltete, stufenförmig in die Landschaft eingepasste Anlage wird heute von dem Abzweig der A1 Sierksdorf und einem Zubringerparkplatz der Autobahn mit Fahrstraßendämmen und hohem Grüngürtel umschlossen.
  • Niendorf/Ostsee: Friedhof der Gemeinde. Cap Arcona-Friedhof mit Mahnmal für 113 Opfer.
  • Travemünde: Friedhof der Gemeinde in Travemünde. Grablagen für 3 Opfer.
  • Lübeck: Vorwerker Friedhof. Gräberfeld mit Stelen für 183 KZ-Opfer, die überwiegend im Lübecker Industriehafen bei der Einschiffung ums Leben kamen.
  • Jüdischer Friedhof Lübeck/Moisling: Grablagen mit jüdischen Opfern der Katastrophe.
  • Grevesmühlen: Cap Arcona-Gedenkstätte am Tannenberg (Tannenbergstraße). Grabstätte für 403 zwischen Travemünde und Boltenhagen angespülte Opfer der Katastrophe.
  • Klütz: Cap Arcona-Gedenkstätte auf dem Friedhof. Grablage für 16 Opfer.
  • Poel: Insel Poel, Cap Arcona-Gedenkstätte (Kirchdorf – Schwarzer Busch). Grabstätte für 28 Opfer, die auf Poel angeschwemmt wurden.

Weitere Museen zur Cap-Arcona-Katastrophe

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